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Verkäufer-Preisvorstellungen bei mehr als der Hälfte der DACH-Transaktionsprozesse zu hoch

Jelle Stuij, COO and Partner

17. August 2026

Bei mehr als der Hälfte aller M&A-Transaktionsprozesse in der DACH-Region (55 %) berichten Berater, dass die Preisvorstellungen der Verkäufer zu hoch sind. Die Lücke beträgt im Durchschnitt 28 % und führt in 32 % dieser Fälle zum Scheitern der Transaktion. Auch die Dealaktivität verschiebt sich: Der Mittelstandsmarkt konzentriert sich zunehmend auf mittelgroße Transaktionen, während Softwareunternehmen zunehmend unter Druck durch die Unsicherheit rund um KI stehen.

Dies sind einige der zentralen Ergebnisse der neuesten Ausgabe des Dealsuite DACH M&A Monitor, der den DACH-Mittelstandsmarkt seit 2019 halbjährlich untersucht.

Eine anhaltende Lücke, jetzt erstmals quantifiziert

Dealsuite identifiziert seit Jahren unrealistische Preisvorstellungen der Verkäufer als Hauptgrund für gescheiterte Transaktionen in der DACH-Region. Diese Ausgabe misst erstmals das tatsächliche Ausmaß: wie oft es vorkommt, wie groß die Lücke ist und wie oft sie den Deal zum Scheitern bringt.

Anstatt vom Kauf zurückzutreten, strukturieren Berater zunehmend Lösungen um diese Lücke herum. Laut dem Dealsuite Deal Terms Report werden Earn-outs und andere Formen der Risikoteilung zwischen Käufer und Verkäufer immer häufiger eingesetzt, um genau diese Bewertungslücke zu überbrücken, ein Zeichen dafür, dass sich der Markt an die Lücke anpasst, anstatt sie routinemäßig Deals scheitern zu lassen.

Floyd Plettenberg, CEO von Dealsuite, erklärt, dass die Zahlen nun das belegen, was Berater seit Jahren spüren: „Ein Deal scheitert normalerweise nicht, weil ein Käufer ohne Grund abspringt. Er scheitert, weil der Verkäufer an einer Zahl festhält, die der Markt nicht zahlen will. Jetzt können wir diese Lücke messen und auch, wie oft sie tatsächlich einen Deal zum Scheitern bringt. Das ist die Art von Transparenz, die beiden Seiten hilft, einen Deal abzuschließen, statt sich von ihm zu verabschieden."

Julia Gathen, Partnerin M&A bei Baker Tilly OBT AG, erklärt: „Earn-outs bleiben eines der wirksamsten Instrumente, um Bewertungslücken zwischen Käufern und Verkäufern zu überbrücken, insbesondere wenn beide Seiten unterschiedliche Ansichten über die zukünftige Entwicklung des Unternehmens haben. Verkäuferdarlehen können ebenfalls helfen, eine Lücke zu schließen, besonders wenn großes Vertrauen in das Geschäft und eine konstruktive Beziehung zwischen den Parteien besteht. Bei größeren Transaktionen wird zunehmend Rollover-Equity eingesetzt. Es gibt keine Einheitslösung: Jeder Deal erfordert einen individuellen Ansatz, und es funktioniert nur, wenn beide Seiten dem Prozess vertrauen und Transparenz besteht."

Käuferwettbewerb verschärft sich, besonders im Gesundheitswesen und E-Commerce

Das Käuferinteresse verstärkt sich im gesamten DACH-Mittelstandsmarkt. Die durchschnittliche Anzahl ernsthafter Kaufinteressenten pro zum Verkauf stehendem Unternehmen stieg im H1-2026 auf 8,5, gegenüber 7,9 im Vorjahr. Den stärksten Anstieg verzeichnete Healthcare & Pharmaceuticals mit einem Plus von drei Punkten auf 12,3, gefolgt von E-Commerce & Webshops (9,3, plus 2,4) und Agri & Food (6,1, plus 1,9 von einem niedrigen Ausgangsniveau).

Softwareentwicklung verzeichnete den stärksten Rückgang aller Sektoren: Die durchschnittliche Zahl der Kaufinteressenten fiel von 11,8 auf 9,7, da Käufer angesichts der Unsicherheit rund um KI zunehmend vorsichtiger werden. Auch die Automobil, Transport und Logistikbranche (5,7, minus 1,3) und die Hotel & Tourismus-Branche (3,9, minus 1,1) kühlten sich ab, während der Einzelhandel auf 4,8 nachgab.

Das gesamte Transaktionsvolumen hielt sich gut: 27% der Berater meldeten einen Anstieg abgeschlossener Deals im Vergleich zu H2-2025, gegenüber 22 %, die einen Rückgang berichteten, der Rest blieb stabil.

Durchschnittliches EBITDA-Multiple sinkt leicht auf 5,4

Die Bewertungen im DACH-Mittelstandsmarkt gaben leicht nach: Das durchschnittliche EBITDA-Multiple sank um 0,1 auf 5,4. Einzig die Bau- und Anlagentechnik-Branche legte zu, um 0,1 auf 5,0, während Softwareentwicklung mit 8,9 stabil blieb, dem höchsten Multiple aller Sektoren in der Region.

Die Unternehmensgröße bleibt ein entscheidender Faktor für die Bewertung: Die Multiples für kleinere Unternehmen (200.000 € EBITDA) sanken leicht auf 3,9, während größere Unternehmen (10 Mio. € EBITDA) mit 7,0 gehandelt wurden, eine Differenz von 3,1 Punkten. Dies spiegelt der sogenannte Small Firm Premium wider, der das höhere Risikoprofil kleinerer Unternehmen ausgleicht.

Software-Dealaktivität erwartet Abkühlung durch wachsende KI-Unsicherheit

Der Ausblick bleibt insgesamt positiv: 79 % der Berater bezeichnen sich als optimistisch für H2-2026.

Berater erwarten nun eine geringere Dealaktivität im Bereich Softwareentwicklung in H2-2026, der Sektor liegt damit auf Platz zwei der Sektoren mit erwartetem Rückgang, hinter Automobil, Transport und Logistik. Dies markiert eine deutliche Kehrtwende: Vor sechs Monaten erwarteten Berater noch, dass Software der stärkste Wachstumssektor sein würde. Laut den Befragten hat Software durch die wachsende Bedrohung durch KI an Attraktivität verloren, da die Automatisierung verändert, welche Geschäftsmodelle sich letztlich als tragfähig erweisen werden, was viele Käufer dazu veranlasst, abzuwarten, bis sich das Bild klarer zeigt.

Auf der Wachstumsseite führt nun die Dienstleistungsbranche den Ausblick für H2-2026 an, nach Platz zwei in der vorherigen Ausgabe, gefolgt von IT-Dienstleistungen und Bau- und Anlagentechnik.

Insgesamt zeigen die Daten einen widerstandsfähigen DACH-Mittelstandsmarkt: einen Dealmix, der sich um mittelgroße Transaktionen konsolidiert, eine erstmals gemessene Bewertungslücke, und einen Sektorausblick, der zunehmend davon geprägt wird, wie schnell Technologie und nicht nur wirtschaftliche Faktoren die Käuferbereitschaft verändern.

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