Dealsuite DACH Monitor H1-2020

German
August 26, 2020
Floyd Plettenberg
CEO (and co-founder) of Dealsuite.com

Vorwort

Dies ist der M&A Monitor DACH H1-2020, einer Untersuchung von Dealsuite. Sie enthält Zahlen und Trends zum DACH KMU M&A Markt (Unternehmen mit einem Umsatz von 1 bis 50 Millionen Euro). Dealsuite ist eine internationale Plattform für M&A Transaktionen.

Ziel dieser Untersuchung ist es, regelmäßige Einblicke in den Markt anzubieten. Diese führen zu mehr Transparenz und können für diejenigen als Maßstab dienen, die im M&A Markt arbeiten.

Die Umfrage wurde unter 364 M&A Beratungsfirmen durchgeführt, die im DACH KMU-Markt aktiv sind.

Mit diesem M&A Monitor wollen wir zu einem besseren Verständnis des KMU-Marktes beitragen, was unserer Meinung nach zu mehr und besseren Closings führen wird.

Floyd Plettenberg MSc. EMFC
CEO Dealsuite

I Transaktionen
15% WENIGER TRANSAKTIONEN IN DER BRANCHE INDUSTRIE & PRODUKTION. MEHR TRANSAKTIONEN IM GESUNDHEITS WESEN UND UNTERNEHMENSDIENST LEISTUNGEN.

Die Berater, die an dieser Untersuchung teilnahmen, haben in H1-2020 folgende Transaktionen durchgeführt:

Dealsuite DACH Monitor H1-2020 Darstellung 1

Bei einem Teil der verkauften Unternehmen war sowohl auf der Verkäufer-, als auch auf der Käuferseite ein Befragter beteiligt. Die Summe der Transkationen ergibt sich also nicht aus der Summe der Buy- und Sell-Side Transaktionen.

Wegen des Ausbruchs des Coronavirus und den weltweiten Konsequenzen der Pandemie ging die Gesamtzahl der M&A Transaktionen zurück. Dies spiegelt sich ebenfalls in diesem M&A Monitor wider.

Aus diesem Monitor geht hervor, dass im ersten Halbjahr 2020 weniger Transaktionen als im zweiten Halbjahr 2019 durchgeführt wurden. Im ersten Halbjahr 2020 sank die Anzahl der angegebenen Sell-Side Transaktionen im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2019 um 56%.

Aus diesen Ergebnissen geht jedoch nicht hervor, ob Transaktionen abgebrochen oder angehalten wurden. Ebenso ergibt sich keine Ableitung, ob häufiger oder seltener ein Berater beauftragt wurde, als es bei vorherigen Editionen der M&A Monitors der Fall war.

Auf Grundlage dieses M&A Monitors kann man Aussagen über die Branchen treffen (siehe Darstellung 2). Es gab mehr Veränderungen in der Branchenverteilung in H1-2020 als in jedem vorherigen M&A Monitor.

Industrie & Produktion ist nicht mehr die Branche, in der die meisten Transaktionen stattfinden. 15% der Transaktionen wurden in dieser Branche durchgeführt, das entspricht einem Rückgang um 15%.

In der Gastronomie, Tourismus & Freizeit Branche fanden 9% mehr Transaktionen in H1-2020 als in H2-2019 statt. Es ist zu erwarten, dass es sich hierbei um eine Momentaufnahme handelt.

Die Anzahl der Transaktionen in der Branche Unternehmensdienstleistungen, die in H2-2019 im Vergleich zu H1-2019 rückgängig waren, konnten einen Anstieg in H1-2020 vermelden (von 9% auf 13%).

Ebenfalls wurden in der Branche Gesundheitswesen, die im Laufe des Jahres 2019 7% weniger Transaktionen verbuchte, wieder ein Anstieg vezeichnet (von 6% auf 8%).

Dealsuite DACH Monitor H1-2020 Darstellung 2

GLEICHE ANZAHL DER TRANSAKTIONEN IM SEGMENT UNTER UND ÜBER € 5 MILLIONEN. 1/3 DER TRANSAKTIONEN HABEN EINEN VERKAUFSPREIS VON ÜBER 10 MILLIONEN.

Über 70% aller Transaktionen, die während H1-2020 von einem Berater begleitet wurden, hatten einen Verkaufspreis von über € 2,5 Millionen. 22% der Transaktionen fielen auf das Segment € 2,5-€ 5 Millionen Verkaufspreis. Ein Verkaufspreis von € 20 Millionen wurde in 15% der Fälle überschritten.

Verglichen mit H2-2019, ist die Gruppe Verkaufspreis € 5-10 Millionen um 4% angewachsen.

In H2-2019 hatten 33% der Transaktionen einen Verkaufspreis von € 10 Millionen oder mehr. In H1-2020 hatten 31% einen Verkaufspreis von € 10 Millionen oder mehr.

Dealsuite DACH Monitor H1-2020 Darstellung 3

II Aufträge
ETWA 1/3 DER BERATER STELLT EINEN RÜCKGANG DER BEAUFTRAGUNG UM 25% ODER MEHR FEST. DIE MEHRHEIT STELLT EINE VERGLEICHBARE ODER HÖHERE AUFTRAGSLAGE IN H1-2020 FEST.

32% der Berater stellt keinen nennenswerten Unterschied der Neuaufträge zwischen H2-2019 und H1-2020 fest. 20% der Befragten gaben an, mehr Aufträge in H1-2020 erhalten zu haben.

48% stellten einen Rückgang der Aufträge fest.

In unserer Umfrage im April 2020 („Erkenntnisse über die Auswirkungen der Corona-Krise auf den DACH M&A-Markt“) sagten noch 69% der Berater aus, dass Sie weniger Aufträge erwarten.

Wenn man den erwarteten Rückgang aus dem April mit dem tatsächlichen Rückgang der Aufträge im Juli vergleicht, kommen wir zu dem Schluss, dass die Berater, wahrscheinlich im April zu pessimistisch waren.

Die Gesamtzahl der Aufträge sagt nichts über die Verteilung der verschiedenen Projektarten (Kauf- / Verkaufsprojekt, Due Diligence, Bewertung, Restrukturierung usw.) aus. Diese können sehr unterschiedlich sin Bezug auf Arbeitsintensität und Entlohnung sein. In Abschnitt VI werden die Sell-Side Projekte tiefer analysieren.

Dealsuite DACH Monitor H1-2020 Darstellung 4

III Branchenmultiplikatoren
DER DURCHSCHNITTLICHE BRANCHEN-MULTIPLIKATOR IM DACH KMU MARKT BETRÄGT 5,85. ES GIBT DEUTLICHE UNTERSCHIEDE ZWISCHEN DEN BRANCHENMULTIPLIKATOREN.

In unserer vorherigen Untersuchung haben die Sell-Side Berater den durchschnittlichen EBITDA-Multiplikator nach Branche definiert. Der durchschnittliche EBITDA-Multiplikator wird für ein Unternehmen in einer spezifischen Branche bezahlt. In dieser Untersuchung haben wir darum gebeten, die Branchenmultiplikatoren aus H2-2019 zu überarbeiten. Die Ergebnisse sind in Abbildung 5 dargestellt.

Der durchschnittlich angewandte Multiplikator in allen Branchen beträgt 5,85. Dieser variiert zwischen 3,90 (Einzelhandel) und 8,10 (IT Service Provider & Software-Entwicklung). Dies bedeutet, dass der Durchschnittspreis eines KMUs um über das Doppelte variiert, abhängig von der Branche.

Allein der Multiplikator in der Landwirtschaft- & Lebensmittelbranche veränderte sich nicht.

Unternehmen der Branchen IT Service Provider & Software-Entwicklung, E-Commerce & Webshops und Gesundheitswesen & Pharma konnten eine positive Entwicklung verbuchen. Die stärksten Einbußen sind in der Automotive, Transport & Logistik Branche zu finden (-0,35).Die Ergebnisse dieser Untersuchung stellen einen Ansatzpunkt für die geltenden Branchenmultiplikatoren dar. Sie bieten damit einen guten Richtwert als Gegenprüfung der Unternehmensbewertung in der nahen Zukunft.

Dealsuite DACH Monitor H1-2020 Darstellung 5

IV Fremdkapital
EINE MEHRHEIT DER ABGESCHLOSSENEN TRANSAKTIONEN WIRD OHNE FREMDKAPITAL FINANZIERT. BANKDARLEHEN BLEIBEN DAS HÄUFISTE INSTRUMENT DER FINANZIERUNG.

In H1-2020 wurden etwa 2 von 5 abgeschlossenen Transaktionen (teilweise) mit Fremdkapital finanziert.

Unter nur den Transaktionen, bei welchen Fremdkapital verwendet wurde, betrug dessen Anteil im Durchschnitt mehr als die Hälfte (54%) des Transaktionsvolums.

Die wichtigste Quelle für Fremdkapital waren Bankdarlehen, welche in 71% der Fälle Anwendung fanden.

Kredite, die vom Verkäufer (Verkäuferdarlehen), einer Privatperson oder einem alternativen Fremdkapitalanbieter bereitgestellt wurden, wurden im ersten Halbjahr 2020 in 40 bis 50% der Fälle verwendet.

In Fällen, in denen Fremdkapital verwendet wurde, wurden durchschnittlich zwei Arten von Fremdkapital eingesetzt.

Es ist ein Indikator dafür, dass Fremdkapitalgeber nicht den gesamten Fremdkapitalanteil übernehmen und das Risiko verteilen. Zum Beispiel kann eine Bank ihre Kredite an Bedingungen knüpfen. Ein anderer Kofinanzierer muss dann eine Kredittranche mit niedrigerem Rang (und höherer Verzinsung) als der Bankkredit übernehmen.

Dealsuite DACH Monitor H1-2020 Darstellung 6

V Earn-Out Klausel
RUND EIN VIERTEL DER TRANSAKTIONEN HATTEN EINE EARN-OUT KLAUSEL, DIE DURCHSCHNITTLICH 2,5 JAHRE DAUERT.

Wenn sich Käufer und Verkäufer darauf einigen, dass ein Teil des Transaktionspreises von der zukünftigen Leistung des Zielunternehmens abhängt, wird dieser Teil als Earn-Out bezeichnet. Dieser variable Teil ist an bestimmte Ziele geknüpft, die während der Verhandlung der Transaktion vereinbart werden. Wenn diese erreicht werden, erfolgt eine zusätzliche Zahlung des Käufers, wodurch der Transaktionspreis erhöht wird. Das Earn-Out gibt dem Verkäufer einen Anreiz, die Ertragskraft des Unternehmens weiterhin positiv zu entwickeln, was zu einem höheren Verkaufspreis führt. Gleichzeitig begrenzt der Käufer sein Risiko, zu viel für das Zielunternehmen zu bezahlen. Earn-Outs können in Dauer, Umfang und Komplexität stark variieren. Ein Earn-Out kann als Instrument zur Risikominimierung verwendet werden, besonders in unsicheren (wirtschaftlichen) Rahmenbedingungen.

In H1-2020 hatte 1 von 4 (27%) Transaktionen einen Earn-Out Anteil. Die Dauer der Earn-Out-Periode betrug durchschnittlich 30 Monate (2,5 Jahre). Der Umfang des Earn-Outs im Verhältnis zur Gesamtgröße des Deals betrug 24%.

Dealsuite DACH Monitor H1-2020 Darstellung 6.1

VI Verkaufsprojekte
EINE WACHSENDE ANZAHL VON PROJEKTENWIRD ABGEBROCHEN. DIE UNSICHERHEIT BREMST NACH WIE VOR DIE MARKTAKTIVITÄTEN.

Im April 2020 („Erkenntnisse über die Auswirkungen der Corona-Krise auf den DACH M&A-Markt“) fragten wir ab, wie viele Sell-Side Projekte angehalten und abgebrochen wurden. Nun vergleichen wir diese Ergebnisse mit den Daten aus der Umfrage für diesen H1-2020 Monitor.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Markt die Auswirkungen des Ausbruchs des Coronavirus weiterhin absorbiert. Gleichzeitig scheint es eine wachsende Kluft zwischen Unternehmen zu geben, die durch diese Auswirkungen nicht mehr eingeschränkt sind und der Unternehmen, die derzeit keine Deal Möglichkeiten haben.

Wir stellen fest, dass die Anzahl der Beratungsunternehmen, die angeben, dass sich kein Sell-Side Projekt verzögert, von 15% im April auf 28% im Juli gestiegen ist. Zugleich ist die Anzahl der Unternehmen, bei denen alle Sell-Side Projekte angehalten wurden, von 12% auf 20% gestiegen. Dies zeigt die wachsende Spaltung der Auftragslage der Beratungsunternehmen.

Dealsuite DACH Monitor H1-2020 Darstellung 7_8

Die Umfrage im April ergab, dass bei 26% der Befragten mindestens ein Sell-Side Projekt abgebrochen wurde. Diese Zahl ist im Juli auf 36% gewachsen. Es geben 8% der Berater an, dass all ihre Sell-Side Projekte vorzeitig beendet wurden, mehr als das doppelte des Wertes aus dem April (3%). Es ist davon auszugehen, dass die Unsicherheit im April dazu geführt hat, dass Projekte angehalten und nicht abgebrochen wurden. Mittlerweile stellen wir jedoch fest, dass eine erhöhte Anzahl von Sell-Side Projekten abgebrochen wird.

Dies bedeutet nicht, dass die Unsicherheit immer noch eindeutig besteht. Über 70% der Befragten gaben an, dass von den im April auf Eis gelegte Projekte keines bereits wieder aufgenommen wurde. Der saisonale Effekt während des Sommers, wenn die Aktivität typischerweise gering ist, sollte jedoch nicht vernachlässigt werden. Die Berater erwarten ab September eine deutliche Belebung der Aktivität.

Es scheint, dass der Sommer 2020 dem Markt noch mehr als zuvor, einen Moment bietet, um die Herbstpläne zu überdenken und sich darauf vorzubereiten.

Dealsuite DACH Monitor H1-2020 Darstellung 9

Aus der Datengrundlage dieses Monitors geht hervor, dass 41% aller Sell-Side Mandate in der DACH-Region nach dem Ausbruch des Coronavirus angehalten wurden. Von diesen wurden 11% wieder aufgenommen.

VII Ausblick
DIE BERATER SAGEN EINEN STABILEN, LEICHT SINKENDEN MARKT FÜR H2-2020 VORAUS.

Die Prognose des KMU-Marktes in DACH basiert auf vielen Faktoren. Eine komplexe Interpretation ist notwendig, um festlegen zu können, ob es ein guter Markt zu werden verspricht. Daher entschieden wir uns für eine Marktbewertung zwischen 0 und 10 (0 entspricht einer sehr schlechten Prognose und 10 einer sehr positiven) der M&A Beratungsfirmen. Darin wird unter anderem einbezogen: die Anzahl der Unternehmer, die ihr Unternehmen verkaufen möchten, die Schwierigkeit eine Finanzierung zu erhalten und die makroökonomischen Entwicklungen. Für H1-2020 lag diese Bewertung bei 4,8. Auch für das H2-2020 haben die M&A Beratungsfirmen ihre Prognosen mitgeteilt. Der Vergleich beider Bewertungen ergibt ein gutes Bild des Vertrauens in den Markt.

Dealsuite DACH Monitor H1-2020 Darstellung 9.1

Die allgemeine Einschätzung ist schlecht. Der M&A Markt wird derzeit als schwierig betrachtet, es wird für die kommenden sechs Monate ein stabiler, leicht ansteigender Markt erwartet.

Wegen der abrupten Verschlechterung der Rahmenbedingungen aufgrund des Ausbruchs des Coronavirus ergibt sich durch den Vergleich der Werte zwischen H2-2019 und H1-2020 keine Ableitung der Entwicklung in diesem Zeitraum.

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