Deal-Sourcing-Tools: Auf dem M&A-Markt gelten neue Spielregeln

January 27, 2022 Jelle Stuij
Head of Marketing & Operations

Die Rolle des Dealmakers hat sich verändert. Die besten Gelegenheiten bieten sich oft außerhalb des konventionellen Unternehmensumfelds, weshalb es für einen erfolgreichen M&A-Ansatz, einer kontinuierlichen und systematischen Suche nach Akquisitionszielen in einem breiteren Marktumfeld bedarf. Schnelligkeit, Agilität und Genauigkeit sind dabei essentiell.

Unabhängig davon, ob M&A eine haupt- oder nebensächliche Tätigkeit ist, hat die Entwicklung der M&A Digitalisierung zu einer viel größeren Transparenz, Zugänglichkeit und Effizienz des Deal-Sourcing geführt. Unternehmen, die sich erfolgreich auf diese Veränderung eingestellt haben, können Opportunitäten schneller wahrnehmen, bewerten, die richtigen Transaktionsmöglichkeiten finden und sich so einen entscheidenden Vorteil gegenüber ihren Wettbewerbern verschaffen.

Definieren die Grenzen Ihres Netzwerks ihren Markt?

Traditionell war die Beschaffung von M&A-Deals zeit- und netzwerkintensiv. Es war notwendig vielversprechende und verlässliche Beziehungen mit verschiedensten Dritten (z. B. zu Investmentbanken, unternehmensinternen Akquisitionsteams und Finanzintermediären) aufzubauen, zu pflegen und gesellschaftliche Veranstaltungen zu besuchen, um sich über Geschäftsmöglichkeiten zu informieren. Größere, renommierte Unternehmen hatten in der Regel Vorrang und die schnelle Verfügbarkeit und Qualität des Informationsflusses war häufig mangelhaft. Vage Aussagen führten oft zu einer Sackgasse in der die Vorstellung nicht der Realität entsprach. Das Ergebnis waren hohe Kosten für fehlgeschlagene Transaktionen.

Mit Hinblick auf das Jahr 2022 hat die digitale Entwicklung bei dieser Aktivität bereits einen hohen Stellenwert. So hat beispielsweise der Überfluss an Unternehmensinformationen im Internet dazu geführt, dass Messen und Konferenzen an Bedeutung verloren haben.

Die Entwicklung von M&A

Auf dem M&A-Markt selbst fanden mehrere Entwicklungen statt, die ein Umdenken erforderlich gemacht haben. Fusionen und Übernahmen werden nicht mehr nur von größeren Unternehmen getätigt, sondern sind ein integraler Bestandteil der Wachstumsstrategie vieler Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe. Ob es darum geht, neue Technologien anzustreben oder Geschäftsmodelle durch sektor- oder grenzübergreifende Maßnahmen neu zu definieren, die Beweggründe haben sich geändert. Sogenannte Scope-Deals, die der Erweiterung des Geschäftsmodells dienen, sind immer häufiger anzutreffen und bieten den Unternehmen ein enormes Potenzial, die Konkurrenz zu überholen. Angesichts dieses neuen "Outside-in"-Ansatzes zur Erweiterung der Möglichkeiten ist es von entscheidender Bedeutung, die Suche auszuweiten und den Markt auf mehr potenzielle Sektoren und Ziele auszudehnen.

Unternehmen ziehen alle Möglichkeiten in Betracht, um sich an diese Transformationen anzupassen. Nicht-traditionelle Transaktionsstrukturen wie Joint Ventures, Minderheitsbeteiligungen oder Corporate Ventures treten vermehrt auf. Diese Strukturen sorgen für komplexere M&A-Prozesse. Der Unternehmensberatung Bain & Co zufolge wird der Erfolg in den kommenden Jahren immer mehr von der Steuerung dieser Prozesse und der Ausschöpfung der sich dadurch bietenden Vorteile abhängig sein.

Das M&A-Screening entwickelt sich zu einem Outside-in-Ansatz, bei dem ein umfassendes Verständnis des gesamten Ökosystems eine immer wichtigere Rolle spielt. Dieses Gespür für den Markt brauchen M&A-Experten heutzutage, um wachstums- und leistungsstarke Zielunternehmen zu finden.

Ein neuer Blick auf das Deals-Sourcing

Online-M&A-Plattformen bieten Echtzeit-Zugang zu mehreren Parteien. Sie verschaffen M&A-Experten einen viel größeren Pool an potenziellen Zielen im Vergleich zu dem traditionellen Ansatz, da sie nicht von denselben branchenspezifischen und geografischen Gegebenheiten eingeschränkt werden. Dadurch eröffnen sich Geschäftsmöglichkeiten mit potentiellen Partnern, welche ohne Plattform nicht entstanden wären.

Online-Plattformen ermöglichen eine proaktive Herangehensweise an das Deal-Sourcing im Vergleich zum bisherigen Austausch von Optionen mit anderen Marktteilnehmern. Grund hierfür ist die Möglichkeit, den Bedarf von Anfang an genau zu definieren. Was wollen Sie kaufen und was wollen Sie hinzugewinnen? Analytische und KI-basierte Tools wie Dealsuite ermöglichen es Ihnen, mehrere Suchprofile einzurichten und Kriterien wie Region, Kosten, Finanzperformance, Mitarbeiterzahl usw. vorzugeben. Auf diese Weise werden Ihre Bedürfnisse formalisiert, irrelevante Kriterien herausgefiltert und die Marktaktivität für Sie verfolgt, um Sie mit potenziellen Zielunternehmen in Kontakt zu bringen.

Dennoch spielt der Mensch weiterhin die essenzielle Rolle im M&A-Prozess. Die entsprechende Technologie dient lediglich dazu, den Experten zielgerichtete und genaue Informationen zu liefern, auf deren Grundlage sie agieren können. Wie PwC-Director Clément Mengue kürzlich sagte: „Wir beobachten die positive Entwicklung der Digitalisierung im M&A-Bereich, aber die meisten Akteure schöpfen das volle Potenzial der digitalen Möglichkeiten noch nicht aus.“ Diejenigen, die diese neuen Ansätze und Tools in ihre bisherige Strategie integrieren, können nur davon profitieren.