"Transparenz und digitale Innovation fördern Cross-Border Transaktionen"

German
November 12, 2020
Rob Hartgers
Content Writer

In einem turbulenten M&A Jahr rückte Kloepfel CF mit einer Reihe von hochkarätigen Transaktionen ins Rampenlicht. Die in München ansässige Boutique ist eine Niederlassung der internationalen Kloepfel-Gruppe. Sie konzentriert sich auf Mergers & Acquisitions im Mittelstandssegment und berät und unterstützt nationale und internationale Unternehmen, Family Offices und Private Equity-Fonds bei ihren Transaktionen, sowohl auf der Kauf- als auch auf der Verkaufsseite. Sie berät auch in damit zusammenhängenden Finanzierungsfragen. Die Firma wurde 2016 von Heiko Frank gegründet.

Im August diesen Jahres beriet Kloepfel CF die Gesellschafter der MULTIMON-Gruppe, einem Anbieter von automatischen Feuerlöschsystemen, bei der Veräußerung ihrer Anteile im Rahmen eines Management-Buy-Outs an die Deutschen Beteiligungs AG (DBAG) . Im September unterstützte er erfolgreich den Börsengang von VIA optronics, einem deutschen Anbieter von integrierter Anzeige- und Sensortechnologie, an der New Yorker Börse. Für Frank unterstreicht dies den Wettbewerbsvorteil von Kloepfel CF: "Wir sind zwar eine Boutique, aber wir können uns auf 300 Berater der Kloepfel Group verlassen. Ich kann sofort fachkundige Informationen über Sektoren, Akteure, Lieferketten und andere Themen erhalten. Das unterscheidet uns wirklich von anderen M&A-Boutiquen.”

Wie ist die Positionierung von Kloepfel CF im deutschen M&A-Sektor?

Wir sind eine der wenigen M&A-Boutiquen in Deutschland, die in der Lage sind, einen kompletten Service für einen Börsengang in New York anzubieten. Wir konzentrieren uns auf Small- und Mid-Cap-Unternehmen und arbeiten an sechs bis zehn Transaktionen pro Jahr. Obwohl wir branchenunabhängig sind, haben wir eine starke Präferenz für B2B und Industriegüter. Wir sind in einer Reihe von B2C-Märkten tätig, wie z.B. schnelllebige Konsumgüter, Lebensmittel und Getränke und alles, was mit Unterhaltung und Freizeit zu tun hat.

Was die Größe der Projekte betrifft, beginnen wir ein Mandat nicht unter einem Transaktionsvolumen von 20 bis 25 Millionen Euro. Ich möchte mich nicht zu sehr auf den Umsatz konzentrieren, aber im Durchschnitt liegt unser Sweet Spot bei B2B-Transaktionen zwischen 25 und 250 Millionen Euro. Von zehn Transaktionen sind mindestens acht Sell-Side- und maximal zwei Buy-Side-Mandate. Etwa 80% unserer Kunden sind Family Offices. In der Regel verkaufen wir Mehrheits- oder Minderheitsanteile an PE-Unternehmen und Family Offices'.

Etwa 70% Ihrer Transaktionen haben eine grenzübergreifende Komponente. Sind Sie der Meinung, dass M&A im deutschen Mittelstand immer internationaler wird?

Nach der Finanzkrise 2008 gab es eine starke und schnelle Erholung. Viele globale Unternehmen erwägten, in deutsche Unternehmen zu investieren. Ich denke, es gibt drei Gründe, warum ausländische Unternehmen gerne in Deutschland investieren: Marktzugang, Technologie und der Erwerb einer Marke. Deshalb haben wir in den letzten 10 Jahren einen dramatischen Anstieg von Investoren aus dem Ausland erlebt. Nicht nur aus China, sondern auch aus den USA und Kanada und natürlich auch aus anderen europäischen Ländern. Marktzugang und Technologie sprechen für sich selbst. Was die Marken betrifft: Oft ist selbst ein deutscher Mittelständler in seiner jeweiligen Nische ein internationaler Global Player.

Mehr Transparenz und digitale Innovation fördern zudem grenzüberschreitende Transaktionen. Die Digitalisierung von M&A und das verstärkte Einbinden digitaler Plattformen erleichtern die Suche ausländischer Targets erheblich. Das funktioniert in beide Richtungen: ausländische Investoren haben Zugang zu Informationen über deutsche Unternehmen, und für uns ist es viel einfacher, Unternehmen im Ausland zu erkennen. So sind wir beispielsweise auf einer japanischen Plattform für die Kauf- und Verkaufsseite gelistet. Und wir können problemlos mit einem deutschen Bieter gegen einen südkoreanischen Bieter konkurrieren. Auch die M&A-Branche selbst entwickelt sich zu einem internationalen Netzwerk. Rund 80% unserer Mitarbeiter haben bereits internationale Erfahrungen gesammelt.’

Welche digitalen Tools und Plattformen verwenden Sie?

Wir recherchieren immer global und stützen uns auf Datenbanken wie S&P Capital IQ, Thomson Reuters, Pitchbook und Dealsuite. Wir nutzen auch virtuelle Datenräume wie Merrill Intralinks oder Firmex. Wir bedienen uns denselben Instrumenten wie größere M&A-Berater und Investmentbanken wie etwa Lazard, Deutsche Bank, Commerzbank oder Rothschild. Für uns ist es im Verhältnis zu unserer Größe teurer, aber wenn wir diese Dienste nicht nutzen, beschränken wir uns im Hinblick auf den Mehrwert für unsere Kunden. Das Ziel ist es, die beste Lösung für unsere Kunden zu finden, und dafür nutzen wir die Innovationen, die von Unternehmen wie Dealsuite kommen.

Wir wollen in die Digitalisierung jedes Schrittes im M&A-Prozess investieren. Natürlich werden wir weiterhin mit Investoren sprechen. Aber Schritte wie der Austausch eines NDAs können digital in einer Cloud-basierten Umgebung erfolgen.

Würden Sie als M&A-Berater sagen, dass die Arbeit mit Familienunternehmen anders ist als die Beratung von Unternehmen oder PE-Fonds?

‘Es dauert länger, die Gesellschafter eines Familienunternehmens davon zu überzeugen, den nächsten Schritt zu wagen. Es sind wesentlich mehr Emotionen im Spiel. Es dauert auch länger, den Prozess zu erklären, da es sich nicht um M&A-Profis handelt. Für PEs ist eine Transaktion rein fakten- und zahlengesteuert. In der Regel wird bei PEs, wenn die Zahlen stimmen, das Unternehmen gekauft bzw. verkauft. Bei Familienunternehmen kommen andere Faktoren ins Spiel. Sehr oft werden die Eigentümer einige Wochen vor dem Verkauf nervös. Plötzlich wollen sie es sich noch einmal überlegen.

Der Verkauf von einem PE an ein PE ist eine mechanische Angelegenheit. Aber die Arbeit mit mittelständischen Familienunternehmen ist viel zufriedenstellender. Die meisten von ihnen sind wirklich wertorientiert. Für ihre Gesellschafter ist es am wichtigsten, dass das Unternehmen in guten Händen bleibt, auch wenn der Käufer nicht das höchste Angebot abgibt. In Deutschland möchte man nach dem Verkauf des eigenen Unternehmens das Gesicht in der Gesellschaft wahren. Das gefällt mir. Wenn ich abends nach Hause fahre und weiß, dass die nächsten zwei Generationen einer Familie finanziell abgesichert sind, macht mich das glücklich.’

Welche Auswirkungen hat Covid-19 auf den Deal-Flow in Deutschland gehabt?

‘Meiner Erfahrung nach gab es in der ersten Jahreshälfte einen Rückgang. Viele Unternehmen haben M&A-Prozesse wegen der Unsicherheit auf Eis gelegt. Verkäufer und Investoren waren beide sehr zurückhaltend. Außerdem mussten sich die Verkäufer auf die Führung ihrer Unternehmen konzentrieren. Diese standen unter Druck und hatten keine Zeit für M&A. Diese Situation hielt mindestens von Februar bis Mai an. Nach dem Monat Mai sahen wir einen starken Aufschwung. Wenn man sich die Zahl der Transaktionen in den letzten sechs Monaten ansieht, ist das unglaublich.

In unmittelbarer Zukunft werden wir viel mehr Distressed M&A-Deals sehen. Als Kloepfel CF sind wir an dieser Art von Transaktionen nicht interessiert. Wir arbeiten nicht an Restrukturierungen. Glücklicherweise haben wir auch gesehen, dass ein gutes Unternehmen ein gutes Unternehmen bleibt. MULTIMON, das Brandschutzunternehmen, das an die DBAG verkauft wurde, war nicht einmal von Corona betroffen. Das Unternehmen ist unerschütterlich: stabiler Umsatz, stabiler EBITDA. Gesunde Unternehmen wie dieses erhalten jetzt noch höhere Bewertungen als vor Corona. Die Investoren verstehen den Wert eines gut geführten Unternehmens noch besser.

Eine unvorhergesehene Entwicklung war, dass der Aktienmarkt von der Realwirtschaft abgekoppelt zu sein scheint. Es gibt eine riesige Menge an Liquidität, die nirgendwo hingehen kann, außer in Aktien. Das ist auch der Grund, warum wir eine große Zahl von Börsengängen erlebt haben. Aus diesem Grund haben wir unseren Kunden VIA optronics an die New Yorker Börse gebracht. Wir haben diesen Prozess Mitte April begonnen, weil wir bereit sein wollten, sobald die Märkte wieder öffneten. Es war die perfekte Gelegenheit’.

Was sind die Zukunftspläne von Kloepfel CF?

‘Am wesentlichsten ist, dass wir wachsen und unsere Marke ausbauen wollen. Zum 1. November diesen Jahres haben wir ein Büro in Frankfurt eröffnet und einen neuen Partner, Sven Roger Baron von Schilling, eingestellt. Wir haben uns am Markt etabliert und bewiesen, dass wir gute Transaktionen durchführen. Das spricht sich bekanntlich herum. Wir bekommen immer mehr Anfragen von Family Offices und PE-Firmen, die uns um Unterstützung bitten. Für uns ist dies ein zufriedenstellender Markt. Im Allgemeinen gibt es nur eine wirtschaftliche Bedingung, die für M&A problematisch ist, nämlich wenn eine Konjunktur stagniert. Dann haben wir ein Problem, denn niemand kauft und niemand verkauft. Wenn der Zyklus nach oben oder unten geht, wird es immer Transaktionen geben.’.

Über Dr. Heiko Frank

Vor der Gründung von Kloepfel CF kann Dr. Heiko Frank auf eine lange und erfolgreiche Karriere als Unternehmer und Investor zurückblicken. Noch während seines Studiums gründete er sein erstes Unternehmen, eine Beratungsfirma. In den 1990er Jahren, nach der Wiedervereinigung Deutschlands und dem Fall des Eisernen Vorhangs, begleitete er viele Privatisierungen in Ostdeutschland und Osteuropa. Später wechselte sein Unternehmen in den Venture-Capital-Bereich, wo es mit Technology Holding, der damals größten deutschen VC-Firma, an der Unternehmensplanung, Bewertung und (nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2001) an der Restrukturierung arbeitete. Hier hatte er seinen Einstieg in den Bereich Corporate Finance.

Als die Technology Holding von der 3i Group übernommen wurde, verkaufte Heiko Frank den Mehrheitsanteil seines Unternehmens an 3i und gründete für 3i ein internationales Ingenieur- und Beratungsunternehmen mit Niederlassungen in ganz Europa. Zusammen mit 3i verkaufte er dieses Unternehmen an die börsennotierte israelische Tochtergesellschaft, die Tefen Group, des Baran-Konzerns und nahm später einen Sitz in dessen Vorstands in Tel Aviv ein.

Nach seiner dreijährigen Tätigkeit als Vorstandsmitglied bei IMAP, dem zweitgrößten globalen unabhängigen M&A-Beraternetzwerk (durchschnittlich mehr als 200 Transaktionen weltweit pro Jahr), entschied Dr. Heiko Frank, dass es an der Zeit war, wieder Unternehmer zu werden. Er nahm Kontakt zu CEO Marc Kloepfel auf und gründete Kloepfel Corporate Finance, an dem er 50% der Anteile hält. Intern ist Kloepfel CF stark an den Akquisitionen der Kloepfel-Gruppe beteiligt. Extern konzentriert sie sich auf M&A und Corporate Finance.