M&A monitor H1-2021

September 01, 2021 Jelle Stuij
Head of Marketing & Operations

Vorwort
Dies ist der M&A Monitor DACH H1-2021, eine Untersuchung von Dealsuite. Sie enthält Daten und Trends zum DACH KMU M&A Markt (Unternehmen mit einem Umsatz von 1 bis 50 Millionen Euro). Dealsuite ist eine internationale Plattform für nationale und cross-border M&A Transaktionen.

Ziel dieser Untersuchung ist es, regelmäßige Einblicke aus dem Markt anzubieten. Diese führen zu mehr Transparenz und können für diejenigen ein Maßstab sein, die im M&A Markt arbeiten.

Die Umfrage wurde unter 387 M&A Beratungsfirmen durchgeführt, die im DACH KMU-Markt aktiv sind.

Mit diesem M&A Monitor wollen wir zu einem besseren Verständnis des KMU- Marktes beitragen, was unserer Meinung nach zu mehr und besseren Abschlüssen führen wird.


Floyd Plettenberg
CEO Dealsuite

I Transaktionen
Starkes Wachstum der Anzahl der Transaktionen. Markt nähert sich dem Vorkrisenniveau an.

Die Berater, die an dieser Untersuchung teilnahmen, haben in H1-2021 folgende Transaktionen durchgeführt:


Darstellung 1

Bei einem Teil der verkauften Unternehmen war sowohl auf der Verkäufer-, als auch auf der Käuferseite ein Befragter beteiligt. Die Summe der Transaktionen ergibt sich also nicht aus der Summe der Buy- und Sell-Side Transaktionen.

Das Jahr 2020 war geprägt von der Corona-Pandemie, staatlichen Beschränkungsmaßnahmen und deren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen. Die Auswirkung auf den M&A Markt in DACH waren erheblich und führten in H1-2020 zu einem erheblichen Rückgang der Transaktionen sowohl auf der Käufer- als auch auf der Verkäuferseite. In H2-2020 stabilisierte sich der Markt auf der Käuferseite und zeigte einen leichten Anstieg auf der Verkäuferseite. In der ersten Hälfte 2021 wurde ein Wachstum auf dem M&A Markt in DACH verzeichnet.

In H1-2020 ging die Anzahl der Transaktionen auf Käuferseite um 36% zurück und stabilisierte sich in H2-2020 (0%). Angesichts des Anstiegs um 25% in der ersten Jahreshälfte 2021 kann man von einer Erholung auf Vor-Covid-Niveau sprechen.

Die Anzahl der Transaktionen auf Verkäuferseite ging in H1-2020 um 56% zurück. Diesem Einbruch stand in H2-2020 ein Anstieg um 3% gegenüber. Dieser Aufwärtstrend setzt sich in H1-2021 mit einem Anstieg um 44% fort. Somit erreicht die durchschnittliche Anzahl der Transaktionen pro Berater auf Verkäufer- seite ebenfalls wieder das Niveau von vor der Covid-19-Krise. Diese Entwicklungen lassen eine optimistische Prognose der kommenden Monate zu.

Verdopplung der Transaktionen in den Branchen Gesundheitswesen & Pharma.

Auf Grundlage dieses M&A Monitors kann man Aussagen über die Branchen treffen (siehe Darstellung 2). Es gab mehr Veränderungen in der Branchenverteilung in H1-2021 als in jedem vorherigen M&A Monitor. Die Erholung von der Covid-19-Krise und die damit einhergehende Konjunkturerholung wirkten sich positiv auf die Anzahl der Transaktionen in der Branche Gesundheitswesen & Pharma aus. Hier verdoppelten sich die Zahlen von 5% in H2-2020 auf 10% in H1-2021.

Wie auch in früheren Editionen des Monitors, erfassten wir die meisten Transaktionen in der Branche Industrie & Produktion. In der zweitstärksten Branche Unternehmensdienstleistungen wurde ein Rückgang von 16% in H2-2020 auf 13% in H1-2021 verzeichnet. Die Software und IT Branche verzeichnete einen Rückgang um 2%.

Nachdem der Anteil der Transaktionen in der Branche Gastronomie, Tourismus & Freizeit, lange Zeit stabil war, scheint die sich die in der Branche herrschende Unsicherheit negativ auf die Anzahl an Transaktionen auszuwirken. Nach einem Rückgang von 12% in H1-2020 auf 7% in H2-2020 wurde in H1-2021 ein erneuter Rückgang auf 6% verzeichnet. Auch der Bereich Landwirtschaft & Lebensmittel regierte mit einem Rückgang von 6% in H2-2020 auf 3% in H1-2021.


Darstellung 2

Verdreifachung der Transaktionen mit einem Verkaufspreis von über € 20 Millionen.

Die durchschnittliche Größe der Transaktionen, die von einem Berater begleitet wurde, stieg in H1-2021 gegenüber H2-2020 erheblich. Der Anteil der Transaktionen, die in das Segment über € 20 Millionen Verkaufspreis fielen, verdreifachte sich auf 15%. Sechs von zehn (61%) aller Transaktionen, die während H1-2021 von einem Berater begleitet wurden, hatten einen Verkaufspreis von über € 2,5 Millionen.

Darstellung 3

II Aufträge
Mehr Aufträge im KMU M&A Markt. Im Vergleich zu H2-2020 meldeten mehr Berater einen Anstieg und weniger einen Rückgang.

Die meisten Berater (46%) nehmen in H1-2021 eine vergleichbare Auftragslage wie in H2-2020 wahr. Der Anteil der Befragten, die ein Wachstum meldeten, stieg von 25% in H2-2020 auf 36% in H1-2021. Die Anzahl an M&A Berater, die einen Rückgang verbuchten, ging von 28% in H2-2020 auf 18% in H1-2021 zurück, was auf eine deutliche Belebung des Marktes hindeutet. Keiner der Befragten verzeichnete einen erheblichen Rückgang der Aufträge.


Darstellung 4

III Branchenmultiplikatoren
Der durchschnittliche EBITDA-Multiplikator liegt bei 5,90. Die K-förmige Erholung ist deutlich sichtbar.

In unserer vorherigen Untersuchung haben die Sell-Side Berater den durchschnittlichen EBITDA- Multiplikator nach Branche definiert. Der durchschnittliche EBITDA-Multiplikator wird für ein Unter- nehmen in einer spezifischen Branche bezahlt. In dieser Untersuchung haben wir darum gebeten, die Branchenmultiplikatoren aus H2-2020 zu überarbeiten. Die Ergebnisse sind in Abbildung 5 dargestellt.

Der durchschnittlich angewandte Multiplikator in allen Branchen stabilisierte sich bei 5,90. Die Multi- plikatoren variieren zwischen 3,60 (Einzelhandel) und 8,25 (IT Service Provider & Software-Entwicklung). Dies bedeutet, dass der Durchschnittspreis eines KMUs um mehr als das Doppelte variiert, abhängig von der Branche.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung stellen einen Ansatzpunkt für die geltenden Branchenmultiplikatoren dar. Sie bieten damit einen guten Richtwert als Gegenprüfung der Unternehmensbewertung in der nahen Zukunft.


Darstellung 5

IV Multiplikatoren nach EBITDA-Größe
Preisdifferenzen bei den Multiplikatoren von bis zu 48%, abhängig von der Unternehmensgröße.

In diesem Monitor untersuchen wir, welchen Einfluss die Unternehmensgröße auf die im DACH KMU- Markt gezahlten Multiplikatoren hat. Das Ziel war es, die Auswirkung des Small Cap Premiums auf KMUs in der DACH Region zu quantifizieren. Wir konzentrierten uns vor allem auf Unternehmen mit einem EBITDA von 250.000 Euro bis 5.000.000 Euro. Das EBITDA wird daher als Kennzahl für die Unternehmens- größe verwendet.

Wissenschaftliche Studien ergaben, dass mit kleinerer Unternehmensgröße die Chance steigt, dass die erwarteten Cashflows nicht realisiert werden (Damodoran, 2011; Grabowski und Pratt, 2013). Ein Faktor ist beispielsweise die Abhängigkeit von bestimmten Kunden oder Lieferanten oder von spezifischem technischem Know-how, das schnell verloren gehen kann, wenn Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Dies kann schwerwiegende Folgen für die Umsätze und somit den Wert eines Unternehmens haben. Die höhere Risikoprämie, die auf kleinere Unternehmen angewendet wird (das sogenannte Small Cap Premium), hat einen wertmindernden Effekt. Infolgedessen sind die EBITDA-Multiplikatoren, die für größere Unternehmen gezahlt werden, im Durchschnitt höher als die Multiplikatoren für kleinere Unternehmen.

Die Ergebnisse dieses Monitors bestätigen, dass auf Unternehmen mit einem geringeren EBITDA geringere Multiplikatoren angewendet werden als auf Unternehmen mit hohem EBITDA. Der Einfluss der Unternehmensgröße auf EBITDA-Multiplikatoren ist in den Darstellungen 6A und 6B zu sehen.

Die Differenz der EBITDA-Multiplikatoren zwischen Unternehmen mit einem normalisierten EBITDA von 250.000 Euro und Unternehmen mit einem normalisierten EBITDA von 5.000.000 Euro beträgt 2.05 (Spanne von 4,3 bis 6,35). Das ist ein Unterschied von 48%.


Darstellung 6
Darstellung 6B Grunden

V Kontrollprämie
Bei 59% aller Transaktionen kommt es zu einem Kontrollwechsel. Ein Käufer zahlt im Durchschnitt 12% mehr für den kontrollierenden Anteil.

Eine Kontrollprämie ist ein Betrag, den der Käufer bereit ist, für die Akquisition eines kontrollierenden Anteils an einem Unternehmen zu zahlen. Also der Betrag, der über dem Marktwert der Anteile liegt, der angewendet werden würde, wenn keine kontrollierende Beteiligung erworben wird. Kontrolle versteht sich in diesem Zusammenhang als Akquisition der Mehrheit der Stimmrechte und somit als Erwerb der Kontrolle über die Finanzen eines Unternehmens, das Tagesgeschäft und die Strategie. Der Käufer schreibt dieser Mehrheit einen Mehrwert zu, da er die Richtung des Unternehmens bestimmen und effizient und effektiv handeln kann.

In dieser Studie wurden folgende Annahmen zugrunde gelegt, um die Kontrollprämie zu ermitteln: •

  • Stimmrechte entsprechen 1:1 den Anteilsrechten
  • Übliche Bedingungen des Minderheitsgesellschafterschutzes
  • Der Wert des Kontrollerwerbs beinhaltet keine käuferspezifischen Synergien
  • Die Studie in diesem Monitor zeigt, dass 71% der KMU-Transaktionen mit einem Kontrollwechsel verbunden waren, also die Kontrolle an den Käufer überging. Wir ermittelten die Kontrollprämie, indem wir erfragten, welchen Preisaufschlag ein neuer Gesellschafter bereit wäre, für die Akquisition eines 50,01%-Anteils gegenüber eines 49,99%-Anteils zu zahlen. Dies ergab einen Preisaufschlag (die Prämie) von durchschnittlich 12%.

    Der Mehrwert des Erhalts einer Mehrheitsbeteiligung an einem KMU in DACH liegt somit bei 12%.
    Marktwert Minderheitsbeteiligung

    VI Relevanz von ESG in KMU Bewertungen
    9 von 10 Beratern erkennen die Relevanz von ESG für den KMU M&A Markt an. 21% sehen bereits eine Veränderung der Bewertungen. 71% erwarten zukünftige Auswirkungen auf die Bewertungen.

    ESG (Umwelt-, Sozial- und Corporate Governance)-Faktoren werden zunehmend wichtiger in praktisch allen Branchen, einschließlich M&A. Die ESG-Faktoren werden ein immer wichtigerer Bestandteil von Unternehmensstrategien und somit auch von Akquisitions- und Investitionsentscheidungen. Bei der Bewertung von Akquisitions- und Investitionszielen werden der soziale Zweck und der ökologische Fußabdruck der potenziellen Zielunternehmen geprüft und bewertet.

    In dieser Ausgabe des M&A Monitors untersuchen wir erstmals die Relevanz von ESG-Faktoren für Investitionsentscheidungen und ihre Auswirkung auf die Bewertung im KMU M&A Markt. Die Befragten gaben an, dass ESG in 52% der Fälle bereits ein formeller Bestandteil einer Investitionsentscheidung ist, aber nur in 4% der Fälle erheblich oder sogar ausschlaggebend ist. Vier von zehn Beratern berücksichtigen ESG, jedoch nicht als formeller Bestandteil einer Investitionsentscheidung. Nur 8% der Befragten gaben an, dass ESG überhaupt keine Rolle bei einer Investitionsentscheidung spielt.

    92% der Befragten gehen davon aus, dass ESG Einfluss auf die Bewertungen von KMUs hat. Zwei von zehn Beratern (21%) stellen hier bereits einen Zusammenhang fest. Sieben von zehn Beratern (71%) sehen diesen Zusammenhang noch nicht, rechnen aber zukünftig damit. Nur 8% gehen davon aus, dass ESG zukünftig keine Auswirkung auf KMU-Bewertungen haben wird. Darstellung 7

    VII Ausblick
    Die Berater blicken sehr optimistisch auf H2-2021. Mehr als die Hälfte rechnet mit weiteren Verbesserungen.

    Die Prognose des KMU-Marktes in DACH basiert auf vielen Faktoren. Eine komplexe Interpretation ist notwendig, um festlegen zu können, ob es ein guter Markt zu werden verspricht. Daher entschieden wir uns für eine Marktbewertung zwischen 0 und 10 (0 entspricht einer sehr schlechten Prognose und 10 einer sehr positiven) der M&A Beratungsfirmen. Darin wird unter anderem einbezogen: die Anzahl der Unternehmer, die ihr Unternehmen verkaufen möchten, die Schwierigkeit eine Finanzierung zu erhalten und die makroökonomischen Entwicklungen.

    Die Beratungsfirmen wurden gebeten, eine Prognose sowie eine Bewertung über die letzten sechs Monate (H1-2021) bereitzustellen. Der Vergleich beider Bewertungen ergibt ein gutes Stimmungsbild für das Vertrauen der Berater in den Markt.
    Note In der vorherigen Ausgabe wurden die Erwartungen für H1-2021 mit 6,2 benotet. Der Ist-Wert liegt mit 6,1 knapp unter den Erwartungen. Allerdings herrscht großer Optimismus und die Berater rechnen mit einer steigenden Belebung des Marktes. Keiner der Befragten erwartet in den nächsten sechs Monaten eine weitere Verschlechterung. Die Erwartung für H2-2021 steigt daher auf starke 6,8.
    Darstellung 8

    VIII Verantwortung
    M&A Transaktionen in DACH finden meistens im KMU-Markt statt. Die Umfrage dieses Dealsuite M&A Monitors wurde an 387 M&A Beratungsfirmen gesendet. In Anbetracht der Summe der von diesen Unternehmen durchgeführten Transaktionen stellen sie einen wesentlichen Teil des KMU-Marktes dar. Ein Unternehmen im DACH KMU-Markt wird mit einem Umsatz von 1 bis 50 Millionen Euro definiert.

    An dieser dritten Ausgabe des Dealsuite M&A Monitors nahmen 112 von insgesamt 387 Beratungsfirmen teil, was einer Beteiligung von 29% entspricht. Für diese Studie wurden keine vorläufigen Hypothesen aufgestellt. Nach einem Signifikanztest ist (N) jedoch ausreichend, um die Ergebnisse mit einer 90%igen Genauigkeit zu bewerten (Field, 2011, S. 56-58). Das Forschungsdesign ist auf Anfrage erhältlich.
    Verwendete Quellen:

  • 106 Fragen und Antworten von Führungskräften aus dem Senior Management
  • Brookz Barometer 2015 - 2019
  • Damodaran (2011). Equity Risk Premiums (ERP).
  • Field, A. (2011) Discovering Statistics SPSS. Third edition, SAGE publications, London. 1 -822
  • Grabowski and Pratt (2013). Cost of Capital: Applications and Examples.
  • Diese Untersuchung wurde unter der Leitung von Alexandre Narayanin durchgeführt. Bei Fragen dazu, wenden Sie sich an Ihn.


    Alexandre Narayanin
    Director DACH
    T+49(0) 211 959 853 21
    E alexandre.narayanin@dealsuite.com