Ein Rückblick 2021: Der M&A-Markt zeigte sich widerstandsfähig

January 13, 2022 Jelle Stuij
Head of Marketing & Operations

Die Covid-19-Pandemie brachte auch im Jahr 2021 Herausforderungen mit sich. Die Gesundheitskrise und die damit verbundenen Einschränkungen lösten die größte Rezession der Nachkriegszeit aus. Die Erholung wird ein langwieriger Prozess werden. Viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sahen sich zu Schließungen gezwungen, während sich diejenigen, die der Krise standgehalten haben, über Nacht an neue Arbeitsweisen anpassen mussten.

Auf dem M&A-Markt nahmen viele Unternehmen eine abwartende Haltung ein; laufende M&A-Transaktionen und die Suche nach neuen Zielen wurden vorerst angehalten. Ist nun, nach fast zwei turbulenten Jahren der Pandemie, eine Beruhigung der Lage abzusehen?

Dealsuite hat M&A-Experten aus verschiedenen europäischen Ländern und Branchen befragt, um sich einen aktuellen Überblick über die Lage zu verschaffen. Was waren die größten Herausforderungen im vergangenen Jahr und wie haben Unternehmen diese bewältigt? Blickt man zufrieden auf das Jahr 2021 zurück? Und was erwartet man für 2022?

Kurzfristiger Einbruch

Die Befragten gehen nicht davon aus, dass die Pandemie langfristige Auswirkungen auf die M&A-Aktivitäten haben wird. Nach einem eher schwachen ersten Halbjahr 2020 nahmen die Aktivitäten in der zweiten Jahreshälfte erheblich zu, da die Unternehmen ihre Strategie angepasst und ihren Weg durch die Unsicherheit gefunden hatten. Diese Erholung hielt auch im Jahr 2021 weiter an und sowohl Transaktionsvolumen als auch Bewertungen wurden von allen Befragten als solide bezeichnet. „Obwohl der Beginn der Pandemie dazu geführt hat, dass sich viele M&A-Transaktionen verzögert haben, ist die Aktivität auf dem M&A-Markt stärker als vor der Pandemie“, so Herve Camus von Atlantic Finance.

„Rückblickend erwies sich die Pandemie nur als kleiner Einbruch, der aber schnell korrigiert wurde, nachdem sich die Akteure an die neue Situation angepasst hatten“, resümiert Jan Hückel, M&A-Experte bei der Kanzlei McDermott Will & Emery.

Laut einem Großteil der Befragten war der Anstieg der Aktivität im Jahr 2021 so stark, dass laufend Mitarbeiter eingestellt wurden, um den Deal-Flow zu bewältigen. Das verwaltete Vermögen der britischen Investmentgesellschaft RDCP stieg laut Mitbegründer Sameer Rizvi von USD 150 Mio. Ende 2020 auf USD 400 Mio. im Jahr 2021 und Mark Rowntree von Price Bailey sagte, er habe in den sechs Jahren, die er nun bei der Gesellschaft tätig sei, keine aktivere Phase als diese erlebt. „Wie der M&A-Markt, so war auch die Suche nach Talenten herausfordernd und wir kamen mit der Einstellung von Mitarbeitern zur Bewältigung dieses enormen Volumens nicht hinterher“.

Größtenteils haben sich die Strukturen der Transaktionen verändert und die Standorte sind vielfältiger geworden. Price Bailey verzeichnete einen Anstieg der Transaktionen mit Beteiligung von Arbeitnehmern in Form von sogenannten Employee Ownership Trusts (EOT) und von Strukturen mit stärkerer Unterstützung der Verkäufer (Kredite) und bedingten Gegenleistungen. Beides sind Modelle, durch die das Risiko des Käufers/Investors beschränkt werden soll.

Fredrik Jonker gab an, dass sein Unternehmen, Marktlink Mergers & Acquisitions, vor allem in Benelux und Deutschland eine starke Aktivität sowie einen Anstieg bei den internationalen Transaktionen verzeichnet hat . Die Gesellschaft hat im vergangenen Jahr 20 neue Mitarbeiter eingestellt.

Trotz der herausfordernden Marktdynamik zeigten sich die Portfoliounternehmen von Strikwerda resilient. Laut Johan Terpstra hat Strikwerda Investments seit Beginn der Pandemie mehr als 15 Add-on-Transaktionen abgeschlossen. „Wir stellen zudem laufend neue Mitarbeiter ein. Glücklicherweise konnten wir bisher die richtigen Talente für uns gewinnen, die unser Unternehmen nach vorne bringen und das Wachstum unterstützen können. Allerdings bekamen auch wir die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt zu spüren“, so Johan Terpstra.

Erholung dank schneller Digitalisierung

Die Erholung ist neben der Anpassung an neue Transaktionsstrukturen auch der Einführung neuer Technologien zuzuschreiben. Die Digitalisierung des M&A-Prozesses steckte vor der Pandemie noch in den Kinderschuhen, aber die Ereignisse der letzten zwei Jahre haben diesen Trend enorm beschleunigt. M&A-Experten haben sich der virtuellen Welt schnell angepasst und die herkömmlichen Methoden durch digitale Meetings und Tools für die Zusammenarbeit ersetzt.

„Vor der Pandemie war es üblich, sich mit den Verhandlungspartnern zu treffen – manchmal über mehrere Tage“, erklärt Hückel von McDermot Will & Emery. „Die Kommunikation findet nun fast ausschließlich über Video- und Onlinekonferenzen statt“.

Dies ist alles andere als hinderlich für unsere Branche, denn dank dieser Veränderung kann die sie sich den Herausforderungen der Pandemie stellen.

Angesichts der Tatsache, dass die Grundlage unserer Branche Vertrauen und starke Beziehungen sind, waren einige Experten von den Ergebnissen überrascht:„Wir haben in der Woche vor dem Budget für März 2021 sieben Deals zum Abschluss gebracht, was ein Rekord für unser Corporate Finance-Team war“, sagt Mark Rowntree von Price Bailey. „Unser Team hat sich vergrößert. Es hat das ganze Jahr über fast ausschließlich remote gearbeitet und war erfolgreich und hat gute Arbeit geleistet.”

Technologie weiterhin im Fokus

Infolge des Wirtschaftsabschwungs und der steigenden Nachfrage nach digitalen Lösungen ist es schwierig, Fachkräfte im Tech-Bereich zu finden und die Nachfrage übersteigt deutlich das Angebot. Für Camus von Atlantic Finance, einer Corporate Finance-Gesellschaft, die sich ausschließlich auf den IT-Sektor spezialisiert hat, bietet dies neue Chancen, da IT-Unternehmen erkannt haben, dass Akquisitionen die einzige tragfähige Wachstumsstrategie sind.

Die zunehmende Technologieakzeptanz wiederum hat auch neue M&A-Möglichkeiten eröffnet und auch grenzüberschreitende Transaktionen nehmen weiter zu. Laut Mark Rowntree „haben die Beliebtheit von Zweckgesellschaften und die Verlagerung hin zu digitalen Transaktionen M&A-Prozesse äußerst effizient gemacht“. Verkäufer sollten somit einen größeren Pool potenzieller Käufer und Investoren vorfinden, was wiederum für wettbewerbsfähige Prozesse sorgen und die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Ergebnisses für den Verkäufer erhöhen wird.”

2022: Starker M&A-Markt und harte Konkurrenz

Der M&A-Markt wird sich voraussichtlich auch im Jahr 2022 gut entwickeln und die Stimmung dürfte besser sein als in den letzten Jahren. Laut unserer Umfrage[A1] werden die niedrigen Zinssätze, der hohe Investitionsdruck bei Private Equity-Gesellschaften und Finanzinvestoren sowie die zunehmende Anzahl an Verkäufern von Private Equity Portfolio-Unternehmen zunehmend für Stimulation sorgen. Viele Private Equity-Gesellschaften, Fonds und große Konzerne haben während der Pandemie erhebliche Barbestände angehäuft und suchen jetzt nach Möglichkeiten, diese investieren.

„Da sich das wirtschaftliche Umfeld verbessert und eine hohe Investitionsbereitschaft herrscht, sind großvolumige M&A-Transaktionen und ein starker Wettbewerb zu erwarten“, so Johan Terpstra von Strikwerda Investments in den Niederlanden.

Die Unternehmen sind offen für Investitionen in Assetklassen, die sie bisher eher nicht in Betracht kamen, fügt Hückel hinzu. Dies umfasst auch Unternehmen in vielen europäischen Ländern, die durch staatliche Hilfen vor einer Insolvenz bewahrt wurden.

Hinzu kommen distressed Assets und die Bereiche Healthcare, MedTech und IT-Dienstleistungen/Software im Allgemeinen, die mit Blick auf Investitionen eine wichtige Rolle spielen werden. Aber die Experten werden ihre Möglichkeiten auch sorgfältiger abwägen müssen.

„Wir werden mehr Unternehmen scheitern sehen”, sagt Sameer Rizvi von RDCP und fügt hinzu, dass die Bewertungen sowohl bei privaten als auch bei börsennotierten Unternehmen (zumindest in den USA) auf einem Allzeithoch sind. „Private Equity-Käufer zahlen weiterhin Rekordmultiplikatoren für Unternehmen und nehmen immens hohe Kredite auf, um diese Transaktionen bezahlen zu können. Eine Marktkorrektur ist längst überfällig”.

Langfristige Veränderung der Kultur

Vor dem Hintergrund der steigenden Nachfrage und des zunehmenden Wettbewerbs werden erfolgreiche Dealmaker diejenigen sein, die über die besten Informationen verfügen und schnell und entschieden handeln können, wenn sich eine Gelegenheit bietet.

Mit Dealsuite können Sie sowohl auf Ihrem Heimatmarkt als auch im Ausland unter Verwendung entsprechender Filter in einem größeren Pool von Investmentmöglichkeiten nach Angeboten suchen. Dieses Tool bietet eine sichere Plattform für die Weitergabe und den Empfang vertraulicher Informationen und die Verhandlung der Transaktionsdetails, wodurch die Genauigkeit verbessert und die Zeit bis zum Abschluss verkürzt wird. So können Sie Ihre Chancen auf einen erfolgreichen Deal maximieren.

Deal-Sourcing-Plattformen und Kommunikationstools haben Geschäftsabschlüsse und Netzwerke auch in diesen ungewöhnlichen Zeiten möglich gemacht. Da man nun aber die Effizienz des digitalen Arbeitens erkannt hat, wird diese Veränderung wohl von Dauer sein. Die Wahl des passenden Online-Tools für Ihr Deal-Sourcing könnte sich in den nächsten Monaten – und Jahren – als ein entscheidender Faktor erweisen.